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Durch Anti-Aggressivitätstraining lernen Haftentlassene Konflikte zu bewältigen
Aktiv gegen Gewalt junger Menschen
Amberg. Sie schlagen aufeinander ein. Fast wäre Franz zu Boden gegangen, doch er kann noch einmal ausweichen. Er ist gut trainiert und will unbedingt gewinnen. Wenn er dreimal Toni mit dem Schläger am Körper trifft, hat er gewonnen. Dann sind die anderen dran.
Im Spiel mit den bunten Schaumstoffschlägern üben sechs junge Männer ihre Kraft und Geschicklichkeit einzusetzen. Ohne dabei die Grenze zu überschreiten oder dem anderen weh zu tun. Dass sie dies üben ist notwendig, denn jeder von ihnen war wegen Körperverletzung schon einmal im Gefängnis. Jetzt machen sie seit zehn Wochen beim Anti-Aggressivitätstraining des Emma-Lampert-Hauses mit. Das läuft jede Woche zwei bis drei Stunden im Gemeindehaus der Paulanerkirche. Anti-Aggressivitätstrainer Armin Gembs aus Rummelsberg und Emma-Lampert-Haus-Leiter Hans-Jürgen Miksch leiten die Gruppe: „Heute geht es um Koordination und das Einhalten von Regeln. Das fällt den Jungs oft schwer“, erklärt Gembs die Übungen an diesem Tag.

Kraft und Geschicklichkeit trainieren: Emma-Lampert-Haus-Bewohner Toni und Franz (von links) beim Anti-Aggressivitätstraining.
Foto: Diakonisches Werk
Regeln einzuhalten ist eines der Lernziele des Anti-Aggressivitätstrainings. In der Gruppe muss sich zudem ein grundlegendes Vertrauen unter den Teilnehmern entwickeln. Deshalb ist das Anti-Aggressivitätstraining mit über 20 Sitzungen ein längerer Prozess. Das eigentliche Ziel ist ein geeigneter Umgang mit Aggressionen. Am Ende des Prozesses kommt es zum „heißen Stuhl“. Dabei wird jeder einzelne noch einmal mit seiner einst begangenen Gewalttat konfrontiert, damit er sie bearbeiten kann. „Wer mit seinem Opfer mitfühlen kann, was es erlitten hat, der wird in Zukunft weniger Gewalt anwenden“, weiß Trainer Gembs. Mit einem zertifizierten Anti-Aggressivitätstraining reduziert sich messbar die Rückfallquote, weiß der ausgebildete Trainer. Deshalb verordnen auch immer mehr Richter nach Gewalttaten ein solches Training als Bewährungsauflage.
Mit dem Anti-Aggressivitätstraining geht das Emma-Lampert-Haus der Diakonie neue Wege. „Unsere Haftentlassenen werden gezielt vom Gewaltweg abgebracht und erlernen neue Strategien im Umgang mit Aggression“, ist Leiter Hans Jürgen Miksch stolz. Und er sieht nach zehn Sitzungen erste Erfolge: Der Umgang unter den Bewohnern des Hauses ist entspannter geworden. Doch das Anti-Aggressivitätstraining ist für Miksch nicht nur ein Modell für sein eigenes Haus. Es könne auch gut an Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe eingesetzt werden, meint der angehende Anti-Aggressionstrainer. So will er in naher Zukunft anderen Einrichtungen das Training vorstellen. Dann wird er auch selbst seine Ausbildung als Anti-Aggressivitätstrainer abgeschlossen haben.
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